TuS-Jungs spielen sich in einen Rausch: Das 29:22 gegen Minden ist hochverdient

Keineswegs zeichnete sich dieser – vor allem in seiner Höhe – überraschende 29:22-Sieg des TuS N-Lübbecke gegen seinen ewigen Kreisrivalen GWD Minden von Beginn an ab. Ja, weite Phasen der ersten Hälfte gehörten eher den Gästen von der Weser. Doch schon da scheiterte man mit zahlreichen Würfen, allein in den ersten 30 Minuten wehrte TuS-Keeper Joel Birlehm 10 Bälle ab. Für einen Neu-Lübbecker und Ex-GWD-Spieler wie Birlehm es ist, war dies fürwahr ein besonders süßer Sieg! Mit der starken Abwehrleistung im Rücken gelang dem TuS nach dem Seitenwechsel auch nach vorn immer mehr, ja die Ziercke-Schützlinge spielten sich zeitweise in einen Rausch, der in den ersten Saisonheimsieg mündete. Auch dank Lukasz Gierak. Vor allem er traf geradezu nach Belieben, achtmal landete die Kugel auf diese Weise im GWD-Netz. „Dieser Sieg für den TuS geht auch in der Höhe in Ordnung“, fassten sowohl der siegreiche Trainer (Aaron Ziercke), als auch der unterlegene Coach (Frank Carstens) korrekt zusammen. Mit diesem zweiten Saisonsieg und jetzt 8 Pluspunkten hat Nettelstedt-Lübbecke erstmals in dieser Spielzeit einen Nicht-Abstiegsplatz erreicht, die Mitaufsteiger Hüttenberg und Ludwigshafen (beide verloren parallel) wurden überholt.

 

Zum Spielverlauf: Es ging – wie vor einer Woche gegen Lemgo – mit einer Birlehm-Parade los, diesmal gegen Rambo. Luka Zvizej jedoch eröffnete den Torreigen für Minden zum 0:1 dank eines Siebenmeters (4. Minute). Lukasz Gierak glich prompt aus (4.). Die nächsten Treffer gehörten GWD, es trafen Rambo zum 1:2 (5.) und Michalczik mit dem 1:3 (5.). In doppelter Überzahl schaffte Lukasz Gierak den 2:3-Anschluss (7.), als er aus halblinker Position prima durchbrach. Eine kleine bis mittelschwere Fehlpass- und Fehlwurfphase folgte auf beiden Seiten, technische Fehler eingeschlossen. Knapp sieben Minuten lag fiel kein einziges Tor. Wobei konkreter erwähnt werden sollte, dass Joel Birlehm in dieser Zeit erneut drei Paraden zeigte.

Bis zur 22. Minute lagen die Mindener stets mit ein bis zwei Treffern in Front. Die Torerfolge der Hausherren aber allesamt sehenswert. So Jó Gerrit Genz mit einem Kraftwurf zum 3:4 (15.), toll durchgekämpft beim 4:5 (16.), dann Nils Torbrügge vom Kreis nach Zweiter Welle, das war das 5:6 (17.). Dann gelang Jens Bechtloff der 7:8-Anschluss aus Linksaußen-Position (20.). Einen gewaltigen Wurf setzte alsbald Lukasz Gierak an, der nach 22 Minuten zum 8:8-Ausgleich im GWD-Netz zappelte. Tim Remers verwandelter Siebenmeter bedeutete das 9:9, ein fabelhafter Aufsetzer. Auf eine – na, was wohl – Birlehm-Parade folgte die 10:9-Führung, die Lukasz Gierak markierte (26.). Dann scheiterte zwar Tim Remer an GWD-Keeper Christensen, doch Nils Torbrügge schnappte sich den Abpraller, gjng noch eineinhalb Schritte und vollendete zum 11:9 (27.). Leider in der buchstäblich letzten Sekunde der ersten Spielhälfte musste Nettelstedt den 11:11-Ausgleich (Torschütze Michalczik) hinnehmen.

Die zweite Hälfte begann mit dem 12:11 wieder durch Lukasz Gierak, nachdem er sich halblinks durchgetankt hatte. Nicht gerade ein gutes Omen für Lübbecke, dass Rambo seinen 12:12-Ausgleich bei eigener Unterzahl schaffte (32.). Doch es wendete sich bald zum Guten, ja GWD blieb gut sechs Minuten lang ohne Treffer. Und der TuS legte jetzt so richtig los. Dem 13:12 (Ante Kaleb vom Kreis, 32.) ging ein traumhaftes Anspiel des inzwischen eingewechselten Pontus Zetterman voraus. Einfach mal abgezogen aus dem Rückraum hatte Lukasz Gierak vor dem 14:12 (34.). Rambo warf vorbei und den Tempogegenstoß verwertete Tim Remer zum 15:12 (35.). Nun stand die Merkur Arena Kopf und es wurde noch besser. Nach dem Siebener zum 16:12 (Remer, 35.) markierte Nils Torbrügge das 17:12 (37.), zuvor ein prima Assist von Lukasz Gierak. Wieder zog Gierak einfach mal ab, es war das 18:13 nach 40 Minuten. „Ja, klappt denn nun wirklich alles beim TuS?“ Tat es: Luka Rakovic war vor dem 19:13 (immer noch 40. Minute) wunderbar auf Rechtsaußen von den Kameraden freigespielt worden.

Der TuS war in der Folgezeit weiter dominierend, hatte aber den Grundstein zum Sieg mit dem gerade geschilderten Zwischenspurt bereits mehr als gelegt. Auch GWD kam nun wieder etwas vermehrt zu Torfolgen, aber an dem TuS-Sieg brauchte man kaum mehr zu zweifeln. Minden agierte (eher zu vorsichtig) dann etwas offensiver, aber bald wechselte man wieder auf die 6:0-Variante.

Ansonsten das in der zweiten Hälfte vermehrt gewohnte Bild: Joel Birlehm lieferte Paraden ab, der TuS kam zu begeisternden Treffern. „Oh, wie ist das schön!“ – die TuS-Fans waren längst stimmungsvoll im Siegestaumel. GWD-Spieler und -Fans erwiesen sich währenddessen als faire Verlierer, das sollte hier unbedingt erwähnt werden! Tüpfelchen auf dem i: In der Schlusssekunde kam Peter Tatai zum zweiten Mal in dieser Partie zu einem GWD-Siebenmeter in den TuS-Kasten – und wehrte gegen Luka Zvizej ab!

 

Stimmen zum Spiel:

Aaron Ziercke (TuS N-Lübbecke): „Ich bin sehr glücklich, dass wir zum letzten Heimspieltag des Jahres auch den ersten Saisonheimsieg einfahren konnten. Minden war in der ersten Halbzeit meist am Drücker, wie haben uns aber nicht abschütteln lassen. In der Halbzeitpause habe ich den Jungs gesagt, auch aufgrund Marko Bagarics Ausfall müssten wir mehr ohne Ball agieren. Plötzlich haben wir nicht mehr aus dem Stand gespielt. Dann hat natürlich Joel Birlehm weiterhin sehr gut gehalten. Aber auch Moritz Schade möchte ich hervorheben, der steht oft im Schatten, doch hat er in der Defensive heute wieder ganz tolle Arbeit geleistet. Dann haben unsere Zuschauer für eine super Stimmung in der Halle gesorgt und so die Jungs nach vorne gepeitscht. Neben Joel und Moritz ist auch Lukasz Gierak ein Derby-Held – ach, am Ende die ganze Mannschaft! Und unser Sieg war dann auch in der Höhe verdient.“

Frank Carstens (GWD Minden): „Der TuS hat heute Abend völlig verdient gewonnen. Schon in der ersten Halbzeit, nach der es noch 11:11 stand, war bereits ein großer Unterschied bei den Torwartleistungen auszumachen. Und das blieb im zweiten Durchgang so. Solch ein Manko kannst Du dann nur schwer kompensieren. Und wir agierten zunehmend verunsichert. Das alles hat Lübbecke in der zweiten Halbzeit so richtig ins Spiel gebracht. Und der TuS hat unsere Fehler sehr clever ausgenutzt. Ich bin natürlich sehr enttäuscht, zumal wir uns hier heute einiges vorgenommen hatten.“

 

Statistik:

TuS N-Lübbecke: Tatai (1/1 Paraden), Birlehm (16 Paraden), Wesemann (n.e.); Genz (2), Kaleb (3), Bechtloff (2), Gierak (8), Bagaric (n.e.), Gruszka (n.e.), Rakovic (4), Torbrügge (4), Schade, Zetterman (1), Hövels, Remer (5/3).

GWD Minden: Christensen (9/2 Paraden), Sonne-Hansen (3 Paraden, 1 Tor); Mansson (1), Rambo (3), Korte, Südmeier, Pusica (1), Gullerud (1), Michalczik (4), Kister (n.e.), Svitlica, Staar, Doder (1), Cederholm (3), Bilbija (2), Zvizej (5/2).

Siebenmeter: 3/4:2/3 (Bechtloff scheitert an Christensen – Zvizej scheitert an Tatai)

Zeitstrafen: 6:8 (min.) (Gierak (28.), Torbrügge (40.), Bechtloff (45.) / Svitlica (6.), Zvizej (6.), Gullerud (31.), Rambo (35.))

Spielfilm: 0:1 (4.), 1:3 (5.), 3:5 (16.), 4:6 (17.), 6:8 (19.), 8:8 (22.), 8:9 (22.), 11:9 (27.), 11:11 (30.) – 12:12 (32.), 17:12 (37.), 20:14 (41.), 23:16 (45.), 23:18 (46.), 25:20 (51.), 26:21 (52.), 29:21 (56.), 29:22 (57.).

Schiedsrichter: Colin Hartmann / Stefan Schneider

Zuschauer: 3.040 in der Merkur Arena Lübbecke (ausverkauft)

 

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