TuS N-Lübbecke bot dem Tabellenführer die Stirn: 24:27 gegen Flensburg

Eine Partie, die bis weit in die Schlussminuten hinein völlig offenblieb, erlebten etwas überraschend am Sonntag 1.817 Zuschauer in der Merkur Arena in Lübbecke. Und darüber hinaus war dies ein hochklassiges Spiel, wie nicht nur beide Trainer im Anschluss ganz richtig betonten. Nicht nur beim Zwischenstand von 9:6 nach 13 Minuten für den Abstiegskandidaten TuS N-Lübbecke gegen den Tabellenführer und Meisterschaftsfavoriten SG Flensburg-Handewitt bahnte sich eine Sensation an. Auch im zweiten Durchgang biss sich der Gast immer noch öfters an der offensiven TuS-Sieben die Zähne aus, wobei auch Joel Birlehm mit einer Vielzahl von Paraden prima unterstützte. Erst ein paar wenige Fehlwürfe im Angriff in der Schlussviertelstunde kostete Nettelstedt ein noch besseres Ergebnis. An den leistungsstarken Rasmus Lauge Schmidt und Hampus Wanne richteten sich die Gäste ausreichend auf und bekamen sich am Ende auch mental wieder besser in den Griff. Trotz des eher knappen Sieges (27:24 für die Nordlichter) lieferte sich die SG selbst eine schöne Vorlage für den letzten Spieltag mit der möglichen Meisterschaft vor Augen. Und der TuS darf in acht Tagen mit genau jenem „guten Gefühl“ zum Finale nach Lemgo reisen, das Coach Aaron Ziercke eingefordert hatte.

 

Für den letzten Spieltag kommenden Sonntag, 3. Juni, ab 15 Uhr, gilt nun (nach Gummersbachs Sieg und den doppelten Punktverlusten von Ludwigshafen und Hüttenberg an diesem 27. Mai): Ein Sieg des TuS in Lemgo bringt definitiv den Klassenerhalt. Bei Unentschieden oder Niederlage bleibt man auf die Ergebnisse der Konkurrenz – also von Ludwigshafen (zuhause Erlangen) und Hüttenberg (in Berlin) – angewiesen.

Zum Spielverlauf konkret: Zwar legte Flensburg rasch zum 0:2 (2. Minute) vor, doch Nils Torbrügge (3.) und Marko Bagaric mit einem phantastischen Fernwurf in den Winkel (5.) glichen für den TuS aus. Zwei weitere Mal kamen die Lübbecker zum Ausgleich, das 4:4 (8.) schaffte Dener Jaanimma, das 5:5 (9.) erneut Jaanimaa nach Musterkombination. Ein Ballverlust von Flensburgs Heinl ermöglichte Luka Rakovic die 6:5-Führung (10.) dank eines Tempogegenstoßes. Nach dem 6:6 legten die Ziercke-Schützlinge dann gar auf 9:6 (!) vor. Schön setzte sich Marko Bagaric bei seinem 7:6 (12.) zuvor ab und nach einer Peter-Tatai-Parade vollendete Luka Rakovic wieder „per Tempo“ zum 8:6 (12.). Und gleich wieder die gleiche Machart: Parade Tatai, Tempogegenstoß: Als Ante Kaleb zum 9:6 verwandelte (13.), bebte die Merkur Arena und die (sympathischen und fairen) SG-Fans wurden erst einmal etwas still…

Durch Holger Glandorf waren die Gäste beim 10:11 (20.) aber wieder in der Vorhand. Es kam zu einer Phase, als auf beiden Seiten fast jeder Angriff einen Treffer zur Folge hatte. Für Lübbecke erfolgreich waren Lukasz Gierak zum 11:11 (21.) (einfach mal draufgehalten), mit dem 12:12 Dener Jaanimaa (22.) (ins Eck) sowie Marko Bagaric mit dem Tor zum 13:14 (24.) ging es weiter. Nachdem der ansonsten starke Flensburger Lasse Svan nur die Unterkante der Latte traf, markierte Nils Torbrügge nach Traum-Anspiel von Lukasz Gierak vom Kreis das 14:14 (25.). Die letzten Aktionen der Pause waren der 16:16-Ausgleich von Luka Rakovic der Siebener und das 16:17 per Heber von Lasse Svan.

Was soll man über die zweite Halbzeit noch schreiben… Der TuS blieb weiter beeindruckend im Spiel. Erst ganz am Ende hatte Flensburg einen Hauch von Vorsprung. Erst mit dem 24:27-Wurf – also schon zum Endstand (Lauge Schmidt, 58. Minute) war die Entscheidung gefallen. Beeindruckend, dass im TuS-Tor Joel Birlehm gleich reihenweise erfolgreiche Paraden zeigte. Mit der offensiven 5:1- und in Teilen auch 3-2-1-Variante machten die „Rot-Schwarzen“ dem hohen Favoriten weiterhin das Leben sehr schwer. Indes: Letztmalig in Führung hatten die Nettelstedter bereits beim 18:17 nach 33 Minuten (Torschütze Torbrügge) gelegen. Die Tendenz neigte sich nun etwas in Richtung Flensburg, spannend bleib es jedoch. Der letzte Ausgleich der Partie resultierte aus der 45. Minute, als Luka Rakovic in der 45. Minute dank Siebenmeter das 21:21 erzielte.
Ansonsten: Kopf hoch, TuS-Jungs! Mit der Leistung dieses Sonntags wird auch in Lemgo alles möglich sein.

Und: Ergreifend und schön nach der Partie der Rahmen bei der Verabschiedung von Physio Patrick Heuer und den sieben TuS-Spielern, die Nettelstedt-Lübbecke im Sommer verlassen werden. „Applaus! Applaus!“. So klang es von den Rängen und auch aus den Musik-Lautsprechern mit dem gleichnamigen Lied! Manche Abschiedsträne wurde verdrückt – besonders beim „fliegenden Holländer“ Tim Remer!

 

Stimmen zum Spiel:

Aaron Ziercke (TuS N-Lübbecke): „Meine Mannschaft hat eine Menge zu diesem richtig guten Bundesliga-Spiel beigetragen. Wir haben den Flensburgern tüchtig die Stirn geboten, wenigstens bis zum 21:21 nach 45 Minuten. Da wir gegen einen Meisterschaftsfavoriten nur knapp gescheitert sind, gehen wir mit einem guten Gefühl in unser Saisonfinale in acht Tagen in Lemgo. Aber heute geht ein Riesenkompliment auch an Flensburg. Die SG hat auch heute Mittag oft klasse agiert. Ich hoffe, dass wir und auch Flensburg die Ziele erreichen werden – am kommenden Sonntag. Nochmals geht ein sehr großes Lob an die TuS-Anhänger, die in der ganzen Saison und daher auch heute wieder für super Stimmung gesorgt haben.“

Maik Machulla (SG Flensburg-Handewitt): „Die Tür zur Meisterschaft ist für uns vor drei Tagen aufgegangen, nach der unerwarteten Niederlage der Rhein-Neckar Löwen. Vor dieser Partie in Lübbecke war bei meinen Spielern zu spüren, dass das Emotionale viel aus einem macht. Diese Energie im Training muss ich als Trainer aber kanalisieren. Mag die Euphorie in Flensburg und der Region jetzt auch groß sein, die Mannschaft wird sich nun noch einmal allein auf 60 Minuten Spiel konzentrieren müssen. Zu heute darf ich sagen, dass Nettelstedt phantastischen Handball gespielt hat. Das hatte ich aber auch so erwartet. Auf meine Jungs bin ich trotz des knappen Endergebnisses stolz, weil sie den Glauben an sich heute nie verloren und Ruhe bewahrt hat.“

 

Statistik:

TuS N-Lübbecke: Tatai (3 Paraden), Birlehm (12 Paraden), Wesemann; Genz, Kaleb (3), Grabarczyk (n.e.), Gierak (1), Bagaric (4), Gruszka (n.e.), Rakovic (6/3), Torbrügge (3), Jaanimaa (7), Schade, Zetterman (n.e.), Speckmann, Hövels.

SG Flensburg-Handewitt: Andersson (3 Paraden), Moeller (8 Paraden); Karlsson, Glandorf (4), Mogensen (1), Lasse Svan (9), Wanne (4/3), Jeppsson (n.e.), Steinhauser (n.e.), Heinl, Toft Hansen, Gottfridsson (2), Lauge Schmidt (7), Mahé (n.e.), Röd (n.e.).

Siebenmeter: 3/3:3/3

Zeitstrafen: 4:4 (min.) = (Speckmann (13.), Torbrügge (18.) / Karlsson (45.), Toft Hansen (50.))

Spielfilm: 0:2 (2.), 2:2 (5.), 4:5 (8.), 6:5 (10.), 6:6 (11.), 9:6 (13.), 9:8 (17.), 10:9 (18.), 10:11 (20.), 12:14 (23.), 14:14 (25.), 15:16 (29.), 16:16 (30.), 16:17 (30.) – 18:17 (33.), 19:19 (35.), 21:21 (45.), 21:23 (49.), 23:24 (51.), 23:26 (54.), 24:26 (58.), 24:27 (58.).

Schiedsrichter: Fabian Baumgart / Sascha Wild

Zuschauer: 1.817 in der Merkur Arena Lübbecke

  • Tim Remer
  • Jan Wesemann, Tim Remer, Nils Torbrügge, Teammanager Zlatko Feric, Pontus Zetterman, Piotr Grabarczyk, Ante Kaleb, Geschäftsführer Torsten Appel, René Gruszka, LuziTuS, Physiotherapeut Patrick Heuer
  • Peter Tatai
  • Kenji Hövels
  • Luka Rakovic
  • Joel Birlehm
  • Maik Machulla und Aaron Ziercke
  • Ante Kaleb
  • Marko Bagaric
  • Dener Jaanimaa
  • Nils Torbrügge

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