
Versöhnlicher Jahresabschluss nach Steigerung in der 2. Halbzeit: TuS gewinnt 39:32 bei Schlusslicht Oppenweiler/Backnang
26. Dezember 2025Interview mit Geschäftsführer Rolf Hermann: „Klarheit, Verantwortung und ein gemeinsamer Weg“

Zum 1. Januar 2026 tritt Rolf Hermann die Nachfolge von Torsten Appel als Geschäftsführer beim TuS N-Lübbecke an. Zu seinem Amtsantritt haben wir ein sehr persönliches Interview über die neue Aufgabe, Veränderungen sowie sportliche, wirtschaftliche und infrastrukturelle Anforderungen geführt.
Rolf, erst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst und herzlichen Glückwunsch zu deiner neuen Aufgabe. Zum 1. Januar 2026 übernimmst du beim TuS N-Lübbecke die Doppelfunktion als Geschäftsführer und Sportlicher Leiter. Wie blickst du auf diese neue Aufgabe?
Mit großem Respekt – und mit Überzeugung. Respekt, weil mir bewusst ist, wie umfassend diese Verantwortung ist. Überzeugung, weil ich den Klub, seine Strukturen und das Umfeld sehr gut kenne. Ich habe hier als Spieler und auch als Sportlicher Leiter viele Phasen erlebt – erfolgreiche genauso wie schwierige.
Diese Aufgabe ist kein Karriereschritt im klassischen Sinne, sondern eine bewusste Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen und aktiv mitzugestalten.
Dein Vorgänger Torsten Appel scheidet zum Jahresende aus. Wie gestaltet sich der Übergang?
Zunächst möchte ich festhalten, dass Torsten dem TuS weiterhin in beratender Funktion aus Hamburg erhalten bleibt. Dafür bin ich sehr dankbar. Er hat in den vergangenen Jahren enorm viel Verantwortung getragen und uns durch schwierige Phasen geführt. Ich bin mir sicher, dass ich auch künftig immer wieder auf seinen Rat zurückgreifen kann und werde. Dieser Wissenstransfer ist für mich und für den TuS N-Lübbecke extrem wertvoll. Dazu habe ich mit Tanja Schüttenberg als Prokuristin eine direkte Ansprechpartnerin vor Ort, die ebenfalls über viel Erfahrung verfügt.
Was wird sich durch deine Doppelfunktion konkret verändern?
Der größte Unterschied liegt in der noch engeren Verzahnung von sportlichen und wirtschaftlichen Entscheidungen. Diese beiden Bereiche dürfen nicht isoliert betrachtet werden – das funktioniert im heutigen Profihandball meiner Meinung nach nicht mehr. Entscheidungen müssen ganzheitlich getroffen werden: sportlich ambitioniert, aber wirtschaftlich darstellbar. Dafür braucht es klare Prozesse, kurze Wege und eine offene, ehrliche Kommunikation.
Wie ordnest du die wirtschaftliche Lage beim TuS ein?
Durch unsere breite Basis an Sponsoren, sind wir sehr solide aufgestellt, worüber wir unheimlich dankbar sind. Dazu schätze ich den regelmäßigen Austausch mit Armin Gauselmann, der MERKUR.COM AG und Familie Wortmann, die immer ein offenes Ohr für mich haben und ohne die der TuS N-Lübbecke so nicht funktionieren würde.
Unser Etat ist über die letzten Jahre konstant geblieben, aber die Anforderungen der Liga und unsere Kostenstruktur sind gestiegen. Wir werden ein paar neue Wege gehen müssen, wenn wir perspektivisch in der Tabelle wieder nach oben schauen wollen. Da haben uns einige Teams der Liga überholt.
Für uns gilt bis dahin: Disziplin, Realismus und klare Prioritäten. Unser Fokus liegt nicht auf kurzfristigen Risiken, sondern auf einer nachhaltigen wirtschaftlichen Basis – auch wenn das heutzutage in manchen Klubs unpopulär ist.
Welche Rolle spielt dabei das Team der Geschäftsstelle?
Eine extrem wichtige. Die Geschäftsstelle ist der Motor des TuS N-Lübbecke. Jeder Einzelne leistet hier tagtäglich einen sehr wertvollen Beitrag – oft weit über das hinaus, was nach außen sichtbar ist. Wir haben in unserem Team grundsätzlich alles, was ein Profiverein braucht, um den täglichen Betrieb zuverlässig zu organisieren.
Gleichzeitig ist klar: Die Anforderungen sind in den letzten Jahren enorm gewachsen. Administrative Aufgaben, Organisation, Lizenzthemen und wirtschaftliche Steuerung nehmen immer mehr Zeit in Anspruch. Wenn diese Aufgaben dauerhaft auf zu wenigen Schultern lasten, bleibt zwangsläufig zu wenig Raum für strategische Entwicklung.
Mein Anspruch ist es, an den richtigen Stellen Entlastung zu schaffen und Verantwortungen besser zu verteilen. Nicht, weil etwas schlecht läuft – sondern weil wir uns weiterentwickeln wollen. Wir müssen auch die Möglichkeit haben, nach vorne zu denken, Strukturen zu verbessern und Zukunftsthemen zu gestalten. Das ist in der Vergangenheit oft zu kurz gekommen und das wollen wir gemeinsam besser machen.
Kommen wir zur sportlichen Situation: Wie bewertest du die aktuelle Lage der Mannschaft?
Sportlich befinden wir uns in einer schwierigen Phase. Das Jahr 2025 ist deutlich hinter unseren Erwartungen geblieben. Das müssen wir offen und auch kritisch ansprechen. Diese Situation macht es natürlich nicht leichter, zukünftig neue Spieler für Lübbecke zu begeistern – unabhängig von unserem wirtschaftlichen Spielraum. Spieler müssen an unseren Weg glauben und an die Perspektive, die wir ihnen hier durchaus bieten können.
Welche Rolle spielt dabei der Trainer?
Davor Dominikovic genießt unser vollstes Vertrauen. Ich schätze seine Denkweise, seine Klarheit und die Art und Weise, wie er Handball lebt. Es wird entscheidend sein, dass wir zusammen Spieler davon überzeugen, wie wir künftig auftreten wollen und welche Rolle sie dabei spielen können. Unser Anforderungsprofil sind Spieler mit Charakter, die aus voller Überzeugung zu uns kommen wollen und ihren Fokus auch ganz klar auf den Handball setzen.
Du hast selbst viele Jahre in der Bundesliga gespielt. Wie prägt dich das heute?
Ich habe gelernt, dass nachhaltiger Erfolg immer aus Stabilität entsteht – nicht aus Aktionismus. Eine Mannschaft braucht Vertrauen, Klarheit sowie ein verlässliches und positives Umfeld, so schwer das manchmal allen Beteiligten fällt.
Als Spieler habe ich selbst erlebt, wie sensibel ein Team reagieren kann. Deshalb ist mir eine klare Kommunikation und eine positive Denkweise von allen sehr wichtig.
Welche Bedeutung hat die Nachwuchs- und Jugendarbeit für dich?
Eine sehr wichtige – aber auch eine, die realistisch betrachtet werden muss. Es ist ein Mythos zu glauben, dass wir mit unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten in der Lage sind, die absoluten Top-Talente zu uns zu holen und kurzfristig in der 2. Handball-Bundesliga davon zu profitieren.
Was wir aber sehr wohl leisten können, ist etwas anderes: das Miteinander zu stärken, enger zusammenzuarbeiten und jungen Spielern aus der Region Perspektiven zu bieten. Unser Trainer ist hier sehr offen und belohnt Spieler, die sich einbringen und alles von sich geben. Ein gutes Beispiel dafür ist für mich Patrik Blazicko. Diese Jungs bekommen ihre Chance und werden dann auch gefördert. Das ist kein schneller Weg – aber ein ehrlicher und nachhaltiger.
Welche Botschaft möchtest du den Fans des TuS mitgeben?
Zuallererst möchte ich mich bedanken – für die Geduld und die Treue in diesem Jahr. Ich weiß sehr genau, dass das angesichts unserer Leistungen alles andere als selbstverständlich war.
Ich verstehe Enttäuschung und Kritik, aber ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam wieder eine positive Entwicklung hinbekommen werden, wenn wir weiterhin zusammenhalten und realistisch bleiben.
Zum Abschluss: Was treibt dich persönlich an?
Als gebürtiger Lübbecker meine Heimat und unser tolles Umfeld mit all den Menschen, die ich hier in meiner Zeit bereits kennenlernen durfte.
Wir können nur gemeinsam wieder einen Schritt nach vorne machen und dazu brauchen wir eine hungrige Mannschaft, die ihre Leistung abruft, unsere treuen Sponsoren und unsere Fans in der Merkur Arena.
Der TuS N-Lübbecke ist das sportliche Aushängeschild der Stadt Lübbecke und ein regelmäßiger Anlaufpunkt für viele Unternehmer, Handballfans und auch Kinder. Dafür lohnt es sich zusammen zu kämpfen, damit dieser Standort uns allen weiterhin erhalten bleibt.














































