
17 Heimspiele. Ein Platz. Unzählige Emotionen.
23. Mai 2026Kampf regierte 60 Minuten lang – 30:29-Sieg für N-Lübbecke denkbar knapp, aber verdient – TuS bleibt auf Rang 9

Keine Partie für Handball-Feinschmecker war es, aber dafür wurden die 1.285 Zuschauer in der MERKUR Arena mit vorbildlichem Kampf und reichlich Spannung bis zur letzten Spielsekunde entschädigt. Der TuS N-Lübbecke spielte in der Offensive mit genügend Durchschlagskraft (30 Treffer), um die recht vielen Schwierigkeiten gegen das meist praktizierte „7 gegen 6“ der Gäste vom TuSEM Essen spielentscheidend auszugleichen. Da die Jungs vom Wiehen längst aller Abstiegssorgen ledig sind, konnten sich die TuS-Anhänger das Geschehen eher in Ruhe ansehen, die Performance von den Rängen für Nettelstedt-Lübbecke war dennoch so extrem gut, als stünden die Dominikovic-Schützlinge selbst noch in der Gefahrenzone.
Besonderheit in der 16. Spielminute: Der TuS-Coach wechselte da – von Torwart Fredrik Genz abgesehen – die komplette Mannschaft aus. Nicht weil der Trainer unzufrieden gewesen wäre, sondern um die Kraftanstrengungen gut zu verteilen. Die Vokabel „Belastungssteuerung“ kennt man sonst eher aus dem Fußball. „Ich habe einige Zeit lang in Spanien gespielt…“ wird Davor Dominkovic das Ganze später erklären. Ein Risiko – sechs Spieler auf einmal kommen „kalt“ in die Partie – sehe er darin nicht, beantwortet er dann in der Pressekonferenz eine Reporterfrage. Ohnehin hätten seine Jungs in den jüngsten Trainingstagen „viel Dampf gemacht“. Es sei im Grunde schade, „dass die Saison schon so bald“ zu Ende gehe.
Mit diesem Erfolg haben die Lübbecker Platz 9 im Klassement sicher, daran werden auch die restlichen Partien der 2. Liga an den beiden Pfingsttagen nichts mehr ändern. 33:31 Zähler sind es nun. Kommenden Samstag, 30. Mai, Anwurf 18 Uhr, spielen die Jungs vom Wiehen bei einem weiteren Abstiegskandidaten, bei der HSG Krefeld Niederrhein. Der finale Spieltag beschert dem TuS N-Lübbecke dann nochmals ein Heimspiel. Am Samstag, 6. Juni, Anwurf zum dritten Mal hintereinander um 18 Uhr, kommt der Aufsteiger 2025 und Absteiger 2026 HC Oppenweiler/Backnang in die MERKUR Arena.
In die Partie am frühen Abend fand sich der TUSEM Essen besser ein als Nettelstedt. Mit 0:2 (5. Minute) und 3:5 (10.) war es um die Hausherren nicht so gut bestellt. Aber vom 5:6 (15.) zum 11:6 (22.) zeigte sich der TuS fantastisch. Das war die Phase des sechsköpfigen Spieleraustausches in der 16. Minute (oben bereits beschrieben). Da traf Yannick Dräger dreimal in Folge, ehe der nach Verletzung wieder genesene Kasper Haugen Furu ins lange Eck traf (10:6, 21.). Auch Lutz Heiny – ebenfalls wieder dabei – traf ins lange Eck in der „zweiten bis dritten Welle“ zum 11:6 (22.). Das „7 gegen 6“ ließ die Gäste fast schon wieder aufschließen – zur Pause der Stand von 14:12.
Mit drei knappen Führungen und mehreren Gleichständen blieben die Essener weiterhin und bis zum Schlusspfiff in der Partie. Wie ein Absteiger agierte der TuSEM in keiner Phase, das sollte an dieser Stelle unbedingt Erwähnung finden. Aber die Hausherren wussten ebenso zu überzeugen, besonders gut aufgelegt Kasper Haugen Furu und Henri Pabst. In der Crunchtime verkürzten die Gäste mehrfach, kamen bis auf einen Treffer heran. So wurde es „nur“ ein Zittersieg für den TuS N-Lübbecke. Wie die Dominikovic-Schützlinge bei Ballbesitz und lediglich einem Ein-Tore-Vorsprung aber die letzten 28 Sekunden clever herunterspielen, das war super-cool und gehört in jeden Handball-Lehrfilm!
Rolf Hermann, Geschäftsführer des TuS, fasste zusammen, dass „jeder gesehen hat, dass es für TUSEM Essen derzeit um alles geht“. TUSEM-Trainer Kenji Hövels habe seine Jungs „sehr ordentlich entwickelt“. Was den TuS betreffe, so habe ihn vor allem gefreut, „wie gut und schnell Kasper Haugen Furu und Lutz Heiny wieder ins Team zurückgefunden haben“.
Stimmen zum Spiel:
Davor Dominikovic (TuS N-Lübbecke): „Ich bin stolz auf den Charakter meiner Mannschaft. Und auf den Willen, den sie gezeigt hat. Schon im Training musste ich sie regelrecht stoppen – wie schon vor der Partie von mir erwähnt. Wir wussten, dass Essen es im „7 gegen 6“ versuchen wird. Wir haben sie dabei nicht so sehr gestellt, wie wir es vorgehabt haben. Nun aber freuen wir uns auf die nächste Aufgabe in Krefeld!“
Kenji Hövels (TUSEM Essen): „Am Ende war der Sieg für Euch verdient! Ich freue mich, dass so viele unserer Fans den Weg hier nach Lübbecke auf sich genommen haben. Sie haben uns super unterstützt, vielen Dank dafür! Wir kommen etwas besser als Nettelstedt in die Partie. Den Faden verlieren wir zwischenzeitlich, nachdem mein Trainerkollege „en bloc“ gewechselt hat. In der 2. Halbzeit ist es ein ausgeglichenes Spiel, wobei dem TuS weniger Fehler passieren als uns.“
Statistik:
TuS N-Lübbecke: F. Genz (8/1), Grabenstein (1); G. Genz (1), Santos (2), Heiny (2), Hörr (1), Furu (4), Schulze (1), Lundahl, Dräger (4), Hornyak (2), Blaauw (2), Weßeling (1), Pabst (6), Blazicko, Wieling (4/2).
TuSEM Essen: Knaack (14 P.), Plaue; Becker, Mart, Göttler (3), Willner (2), Homscheid (4/2), Reimer, Eißing (6), Wolf, Neuhaus (2), Kostuj, Hejny, Mast, Werschkull (8), Schoss (4).
Siebenmeter: 2/2 – 2/3 Mart an Genz (12.)
Zweiminuten: Santos (2. + 40.), Wieling (46.), Hornyak (51.) – Wolf (49.)
Schiedsrichter: Steven Heine und Sascha Standke






























































