Einen ganz bitteren Abend erlebten die 1.302 Zuschauer am Freitagabend in der MERKUR Arena. Nach dem emotionalen Gedenken an den vor einer Woche verstorbenen Hauptsponsor Paul Gauselmann sollte beim ersten Bundesliga-Heimspiel der Saison 2026/27 möglichst schnell der Schalter auf Wettkampfmodus umgelegt werden. Das allerdings misslang gründlich. Der TuS N-Lübbecke fand nie zu seinem Spiel, agierte zu langsam und war gegen einen konsequent auftretenden VfL Lübeck-Schwartau immer wieder den berühmten Schritt zu spät. Am Ende stand eine deutliche und auch in dieser Höhe verdiente 23:34-Niederlage. Damit startet der TuS mit 0:2 Punkten in die neue Saison und findet sich zunächst auf Tabellenplatz 17 wieder. Viel Zeit zum Aufarbeiten bleibt nicht: Am Samstag, 5. September, geht es um 19.30 Uhr beim HC Elbflorenz Dresden weiter.
Zu Beginn wurde es noch einmal richtig emotional in der MERKUR Arena. Zu Ehren des vor einer Woche verstorbenen langjährigen Hauptsponsors Paul Gauselmann lief die TuS-Mannschaft zu dem Lied „Wo meine Sonne scheint“ von Caterina Valente in die Halle ein. Zuvor waren auf den Videodisplays Bilder zu sehen, die die enge Verbundenheit Gauselmanns mit dem TuS N-Lübbecke dokumentierten. Nach einer Schweigeminute rückte dann der Bundesligaauftakt in den Mittelpunkt – und der Schalter musste möglichst schnell umgelegt werden.
Davor Dominikovic schickte zunächst Alex Schulze, Finn Wullenweber, Yannick Dräger, Niko Blaauw, Henri Pabst und Thies Bergemann sowie Frederik Genz im Tor auf die Platte. Anders als zuletzt verzichtete der TuS-Trainer zunächst auf die häufig praktizierten Wechsel zwischen Angriff und Abwehr.
Henri Pabst erzielte das 1:0 und der TuS hatte direkt die Chance, nachzulegen. Doch der zweite Treffer wollte nicht fallen, stattdessen glich der ehemalige Lübbecker Jan-Eric Speckmann zum 1:1 aus. Bis zum 5:5 in der 13. Minute blieb die Partie ausgeglichen. Allerdings standen dem TuS bereits in dieser frühen Phase immer wieder VfL-Torhüter Mark Ferjan oder die Torlatte im Weg.
Eine Auszeit der Gäste brachte anschließend einen Bruch ins TuS-Spiel. Lübeck-Schwartau erzielte drei Treffer in Folge und drehte die Partie. Fortan lief der TuS einem Rückstand hinterher. Vor allem Magnus Holpert bekam die Lübbecker Abwehr nicht in den Griff und traf aus nahezu jeder Lage. Als anschließend auch noch Schulze und später Bergemann vom Siebenmeterstrich scheiterten, wuchs der Rückstand weiter an.
Mit einer schweren Hypothek ging der TuS schließlich in die Halbzeitpause. Beim 9:15 lagen die Gastgeber bereits mit sechs Toren zurück.
Wer auf eine Reaktion des TuS nach dem Seitenwechsel gehofft hatte, wurde allerdings enttäuscht. Statt den Rückstand zu verkürzen, wurde die Situation zunehmend schwieriger. Nach der Roten Karte gegen Alexander Schulze erhöhte Lübeck-Schwartau durch einen Kempa-Trick von Jan-Eric Speckmann und Holzhacker auf 10:18.
Kurzzeitig keimte noch einmal Hoffnung auf. Kasper Haugen Furu traf in der 38. Minute trotz angezeigten Zeitspiels und brachte die Halle noch einmal hinter die Mannschaft. Doch der erhoffte Umschwung blieb aus:
Auch die Auszeiten von Davor Dominikovic brachten keine nachhaltige Veränderung. Nach der zweiten Unterbrechung folgte nur fünf Minuten später bereits die dritte Auszeit (45.). Doch erneut war es Speckmann, der aus nahezu unmöglichem Winkel traf und den TuS damit weiter auf Distanz hielt.
Auch personelle Veränderungen verpufften wirkungslos. Der erneute Wechsel im Tor zu Genz – Leon Grabenstein begann die zweite Halbzeit – brachte ebenso wenig einen neuen Impuls wie die Veränderungen auf dem Feld. Der VfL Lübeck-Schwartau dagegen spielte sich zunehmend in einen Rausch.
In der 47. Minute war der Rückstand beim 17:27 erstmals zweistellig. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass der TuS an diesem Abend keine Antwort mehr finden würde.
Am Ende stand eine deutliche 23:34-Niederlage. Ein Abend, an dem beim TuS nur wenig zusammenpasste und an dem die Gäste aus Schleswig-Holstein von Beginn an konsequenter, wacher und effektiver auftraten.
TuS-Geschäftsführer Rolf Hermann war nach dem Spiel sichtlich angefressen. „Es darf nicht passieren, dass wir in unserem ersten Heimspiel vor eigenem Publikum so auftreten, wie wir aufgetreten sind. Auch wenn wir eine neue Mannschaft haben, ist das keine Entschuldigung“, wurde Hermann deutlich. „Ich erwarte keine Wunder und Fehlpässe können passieren, aber ich erwarte, dass man kämpft!“
Stimme zum Spiel:
Davor Dominikovic (TuS N-Lübbecke): „Glückwunsch an David und dem VfL. Ihr habt heute gezeigt, wie man Handball spielt und kämpft. Das war eine Handballschule, die ihr hier heute präsentiert habt. Wir hatten am Anfang die Möglichkeiten, aber ein Spiel dauert 60 Minuten. Wir waren nicht präsent und es hat nur eine Mannschaft gespielt. Das tut mir besonders leid für Familie Gauselmann und die Fans, die heute in der MERKUR Arena waren. Dafür entschuldige ich mich. Wenn eine ganze Mannschaft nicht funktioniert, dann ist das die Verantwortung des Trainers. Die zwei Niederlagen, die wir jetzt in Folge kassiert haben, waren für beide Mannschaften – bei allem Respekt – kein Problem. Das war heute keine Art und Weise, wie wir speilen können.“
David Röhrig (VfL Lübeck-Schwartau): „Wenn man sich die ersten 5 Minuten anschaut, kann man überhaupt nicht begreifen, was dann passiert ist. Wir haben zuerst 2-3 Ballverluste, die aber bei Lübbecke alle nicht reingehen, sodass wir dann glücklich im Spiel bleiben. Dann bekommen wir noch zwei Gegenstöße konnten aber dann schon merken, dass wir in der Abwehr die Laufwege gut zugestellt haben. Über 40 Minuten hatten wir eine überragende Torhüterleistung und eine herausragende Trefferquote. Wir haben dann die Durchbrüche verwandelt und uns in einen Flow gespielt. Bei uns ist alles zusammengelaufen und wir sind super-happy, dass wir die zwei Punkte heute mitnehmen.“
TuS N-Lübbecke: Genz (6 P.), Grabenstein; Santos (1),Sturhahn (1), Furu (5), Schulze (3/1), Lundahl (1), Dräger, Wullenweber (1), Blaauw (1), Gautzsch (1), Pabst (3), Bergemann (1), Blazicko (2), Dederding (2), Eisele (1/1).
VfL Lübeck-Schwartau: Thorstensen (1 P.), Ferjan (11/1 P.); Ermann, Holzhacker (9/4), Houmöller, Hagedorn (2), Schramm, Botta (1), Holpert (8), Hartwig (2), Refsgaard, Heinemann (1), Zink (5), Nickelsen (1), Speckmann (4), Emdorf (1).
Siebenmeter: 2/4 Schulze an Ferjan (25.), Bergemann neben das Tor (29.) – 4/4
Zweiminuten: Dräger (12.), Wullenweber (32.), Schulze (33.)- Nickelsen (22.), Schramm (30.)
Disqualifikation: Schulze (33., grobes Foul)
Schiedsrichter: Julian Fedtke und Niels Wienrich







